Gegenseitige Hilfe als Faktor der Evolution
Für Marx ist der Mensch von Grund auf ein soziales Wesen. Er braucht andere Menschen nicht deshalb, weil sie Mittel zur Erfüllung seiner Wünsche wären, sondern schlicht deshalb, weil der Mensch ein Mensch ist. Seine volle Menschlichkeit erreicht er erst in der Verbundenheit mit anderen. Goethe schrieb: »Der Mensch kennt sich selbst nur, soweit er die Welt kennt. Er wird sich der Welt nur in sich selbst bewusst und seiner selbst nur in der Welt.«
Erich Fromm formulierte es so: »Ein vollständig entwickelter und daher gesunder Mensch ist ein produktiver Mensch – ein Mensch, der sich aufrichtig für die Welt interessiert und auf sie antwortet« (E. Fromm, Jenseits der Illusionen, S. 85–88).
Quellen
- Erich Fromm — Jenseits der Illusionen. Mein Zusammentreffen mit Marx und Freud, S. 85–88 — Quelle der oben angeführten Gedanken von Marx, Goethe und Fromm.
- Der Titel des Beitrags spielt auf Peter Kropotkins Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt (1902) an; das Buch ist nicht die Quelle der zitierten Passage.
Fragen zum Artikel
01Warum ist die Verbundenheit mit anderen für die menschliche Entwicklung wesentlich?
Menschen werden nicht in Isolation, sondern in der Verbundenheit mit anderen ganz menschlich: Beziehungen sind nicht bloß Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, sondern ermöglichen Selbsterkenntnis, Welterkenntnis und eine produktive Antwort auf die Welt.
02Wie hängen Selbsterkenntnis und Welterkenntnis zusammen?
In dem von Goethe zitierten Gedanken erkennt der Mensch sich selbst durch die Welt und die Welt durch die innere Erfahrung; beides ist nicht voneinander zu trennen.
