Verschollen
Nach der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka "Verschollen"
Verschollen oder wie Marktbeziehungen das humanistische Gewissen töten.
Wenn alles auf Kauf und Verkauf basiert, dann wird mit der Zeit auch die Persönlichkeit zu einer Ware auf dem Markt der Persönlichkeiten. Das Wesen, der Geist, der Glaube gehen verloren...
"Die Kinder der Köchinnen bringen sich selbst das Walzertanzen bei, aber der soziale Aufzug wird diese 'Wasjas' nicht hochziehen" (25/17, Tonbrief🎸)
Und wenn Jugendliche an einen Zaun schreiben "keine Beziehungen, außer Marktbeziehungen", bestätigen sie K. Marx' Worte, dass "das Sein das Bewusstsein bestimmt".
Und in der Erzählung "Verschollen" sagt einer der Irregegangenen: "Wenn man die ganze Zeit mit dir wie mit einem Hund umgeht, dann fängst du schließlich an zu denken, dass du ein Hund bist" (S. 257📚)
Der Mensch gewöhnt sich an alles, sagte V. Frankl, der Auschwitz überlebte, ergänzt diese Worte aber sofort mit dem Satz: "Fragen Sie mich nicht, zu welchem Preis"
Das von der Gesellschaft Akzeptierte wird zur Norm für das einzelne Mitglied dieser Gesellschaft und
"Wenn man uns jahrelang ins Gesicht spuckt, gewöhnen auch wir uns daran.
Der Aufruhr verstummt, schließlich hat man Brillen vor den Augen,
Und in der Tasche ein Tuch, um den Spucke wegzuwischen.
Speichel ist gut für die Haut – wird wissenschaftlich bewiesen,
Und den Namen 'Spucke' ersetzt man durch einen neumodischen und klangvollen.
Nach diesem Prinzip wird alles zur Norm.
Und so soll es auch sein, denn der Mensch muss wissen, dass er mit seiner Meinung nicht allein ist, er braucht irgendeinen Weg⛳
Aber der Verschollene wundert sich "wie die anderen so sorglos sich mit ihrer jetzigen Lage abfinden, ohne die Notwendigkeit der Wahl der Zukunft zu begreifen... nichts lesen außer vielleicht zerfledderten und zerlesenen Kriminalromanen" (S. 174📚).
Ja, ganz einfach, Lesen – raubt die Kraft "Opium" – Opium für das Volk💫
Freud sagte, man solle nicht wecken, aber mahnte auch, die Schlafenden nicht zu wecken, denn Illusionen und Abwehrmechanismen dienen dem Selbsterhaltungstrieb. Und wer will schon mehr wissen? Denn wie der Prediger sagte: "Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämen, und wer viel lernt, der muss viel leiden."💯
Und so gehen wir in stockfinsterer Nacht, aber gehen sicher, denn wir hören, dass auch andere mit uns tapsen (E. Fromm, Der Mensch für sich selbst).
Und so von Geburt bis Tod, von Montag bis Montag, das ganze Leben ist programmiert und reproduziert sich in strenger Ordnung.
Wie kann der Mensch in dieser Routine des Alltags nicht vergessen, dass er ein Mensch ist – eine unwiederholbare Individualität, derjenige, dem dieses eine einzige Leben geschenkt ist?"☯️
Nun, wir haben unten ein kurzes Motto "in vino veritas", man schaut sich alles an und ein bitterer Nachgeschmack im Mund, aber irgendwie angenehm – wie von Erfrierung wird es:
Das Leben glimmt schief wie eine Zigarette, Rauch frisst die Augen und darum Tränen,
Aber im Herzen ist es doch still und leicht, denn die anderen werden auch nicht weit kommen."
Wie auf dem Ladentisch – alle gleich, und der Fisch stinkt vom Kopf, du schau nur nicht in die Ferne🏁
Proteste helfen nicht✏️
"In geschlossenen Büros werden die Fäden der Schicksale gesponnen. Die Unzufriedenen spinnen ihre Fristen – so war es, ist es und wird es sein.🚩
Und satte Köpfe verstecken sich im 'goldenen Sand'.
Neugierige Köpfe werden in den nächsten Wald geworfen. Tobende Köpfe behandelt man mit einer Kugel in die Schläfe, per IP wird ermittelt, füllt Preiselbeeren bis zum Gürtel."
"Und Hass – ist die Hefe für die Anzahl der Nullen. Proteste sind so nahrhaft.
Komm, schenk ein, solche Brühe bis zum Rand, dann versuch sie selbst zu trinken.
Das ist Revolution – für die Geldbörsen von Papas und Mamas.
Alle sagen: 'Wir sind zusammen', niemand weiß, in welcher Weise.
Antoscha Chechonte hämmert euch mit dem Hammer auf die Stirn.
Wenn du nicht willst, verstehst du nicht, selbst wenn du Wasserman wärst... (25/17, Tonbrief🎸)
Für die einen Nikita Michalkow, für die anderen Lucio Fulci.
Manche schließen Yale ab, manche trinken Ale, und
Kafka beschreibt in einem Absatz meisterhaft das Leben der Menschen:⤵️
"Zahlreiche Balkone ringsum waren mit Menschen besät, bei Lampenlicht hatten sich hier ganze Familien niedergelassen – je nach Größe des Balkons – mal um einen kleinen Tisch, mal in einer Reihe von Stühlen, mal einfach stehend oder nur aus der Balkontür lugend. Männer saßen breitbeinig, die Füße in das Balkongitter gestemmt, und lasen riesige, fast bis zum Boden hängende Zeitungen; andere spielten Karten – schienen schweigsam, aber mit umso größerer Wut die Trümpfe auf den Tisch schlagend; Frauen, fast alle mit Handarbeiten auf dem Schoß, unterbrachen gelegentlich ihre Näherei, um einen Blick auf die Umgebung oder hinunter auf die Straße zu werfen; eine – schon ältere, kränklich aussehende Blondine auf dem Nachbarbalkon – gähnte immer wieder, jedes Mal die Augen verdrehend und den Mund mit dem Wäschestück bedeckend, das sie flickte; selbst auf den engsten Balkonen verstanden es Kinder, ein Herumlaufen anzufangen, was den Eltern Missfallen bereitete. In vielen Wohnungen liefen Grammophone, von dort drang Gesang oder Orchestermusik, der allerdings niemand besonders zuhörte – nur ab und zu gab das Familienoberhaupt ein Zeichen, und einer der Hausbewohner eilte ins Zimmer, um eine neue Platte aufzulegen. In einigen Fenstern erstarrten Liebespaare regungslos, eines stand gerade im Fenster gegenüber: ein Mann umarmte gierig ein Mädchen, ihre Brust knetend." 📚
〰️So töten Marktbeziehungen das humanistische Gewissen! 〰️
〰️Hier verschwindet der Mensch spurlos!〰️
Und der Hauptheld wollte so sehr von dort fliehen. Die ihn aus dem Gefängnis gerettet haben, wollen, dass er ihr Diener wird,... die Tür ist verschlossen... der Schlüssel nicht zu finden...
Und in einer Schlägerei wurde der Kompass zerschlagen...
Und nun steht er auf demselben Balkon und sieht plötzlich auf dem Nachbarbalkon den "Studenten". Er beginnt ein Gespräch mit dem "Studenten" (Sprecher/Alter Ego, Ich-Position) 🔎⭕
- "Haben Sie einen anderen Platz?" – erkundigte sich der Student interessiert.
- "Nein," antwortete Karl, "aber das ist mir nicht wichtig, ich will nur hier weg."
- "Hören Sie mal," fragte der Student, "also ist es Ihnen nicht wichtig?" – Beide schwiegen einen Moment. – "Warum wollen Sie denn nicht bei ihnen bleiben?"
- "Wenn alle Diener bei der Wahl ihrer Herren so pingelig wären," sagte der Student und schien zu lächeln. – "Nehmen Sie mich zum Beispiel: tagsüber arbeite ich als Verkäufer, Laufbursche, bekomme ein kümmerliches Gehalt. Nehmen Sie sich also ein Beispiel an mir."
- "Wie?" – staunte Karl. – "Sie sind also tagsüber Verkäufer und nachts studieren Sie?"
- "Na ja," antwortete der Student. "Sonst geht es nicht. Ich habe schon alles versucht, Und glauben Sie mir, diese Existenzweise ist noch die glücklichste. Früher war ich reiner Student, sozusagen, sowohl tagsüber als auch nachts, da verhungerte ich fast, schlief fast in einer Hundehütte und kleidete mich so, dass es peinlich war, zu Vorlesungen zu gehen. Aber damit ist es vorbei."
- "Aber wann schlafen Sie denn?" – fragte Karl und staunte immer mehr.
- "Wann ich schlafe?" – erwiderte jener. "Wenn ich mit dem Studium fertig bin, dann schlafe ich mich aus. Bis dahin trinke ich schwarzen Kaffee." 📚
Verschwende die Zeit nicht!
Verschwende die Zeit nicht!
Ich verpflichte mich zu schreiben,✔️
Ich verpflichte mich zu lesen, ✔️
Ich verpflichte mich, wie zuvor zu leben, aber nun auch andere in mein Leben aufzunehmen – sie zu respektieren✔️
Bevor die Zeit sich rückwärts dreht,
Bevor die Last wie eine Haarsträhne weggeweht wird –
Zeit zu wachsen, und Früchte zu ernten und wieder zu säen! ✔️
Fragen zum Artikel
01Wie können Marktbeziehungen das humanistische Gewissen schwächen?
Wenn Persönlichkeit wie eine Ware bewertet wird, werden Erniedrigung und Ausbeutung allmählich zur Gewohnheit. Menschen passen sich an, übersehen Entmenschlichung und verlieren die eigene und fremde Einzigartigkeit aus dem Blick.
02Warum gewöhnen sich Menschen an Erniedrigung und Ungerechtigkeit?
Gruppendruck macht gesellschaftlich Akzeptiertes zur persönlichen Norm, während Illusionen und Abwehrmechanismen das Überleben erleichtern. Der Preis ist ein geschwächtes Empören und humanistisches Gewissen.
03Was hilft, im Alltag nicht „verschollen“ zu gehen?
Der Text schlägt Lesen, Schreiben, die Erinnerung an die Einmaligkeit des Lebens und einen respektvollen Umgang mit anderen vor. Das ist eine persönliche Praxis zur Bewahrung des Menschlichen.
